VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Annika  |  Chantal  |  Charlotte  |  Feli  |  Franzi  |  Fritz  |  Hanna  |  Laura H  |  Laura M  |  Lena  |

Lina  |  Maida  |  Mareike  |  Matthis  |  Merlit  |  Miri  |  Paul  |  Pauly  |  Rebekka  |  Renke  |  Tabea  |

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Manchmal bin ich ganz durcheinander. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Um so mehr freue ich mich, gerade einen Vormittag für mich alleine zu haben und zur Ruhe zu kommen. Also schreibe ich jetzt mal diesen Eintrag an Euch.

Autor: feli | Datum: 23 September 2017, 21:29 | 0 Kommentare

Mein Arbeitsalltag: Bisher habe ich noch nicht die Arbeit mit den Jugendlichen begonnen, sondern bin nach wie vor an der Primary School. Ich freue mich schon darauf, bald selbst einen Stundenplan erstellen zu dürfen, in der Hoffnung, dass sich einige Freistunden „einbauen“ lassen. Bis jetzt sieht das nämlich so aus: Entweder ich starte den Morgen um 7:20 in der Schule oder um 7:45 mit der Morgenandacht. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, was öfter der Fall ist! Die vier Stunden bis zur Mittagspause sind schnell gemeistert. Von 12:00 bis 13:20 ist ein schnelles Mittagessen angesagt und dann geht es weiter. Die Stunden von zwanzig nach eins bis fünf Uhr fallen mir manchmal umso schwerer. Die Hitze, der Schulweg und das Rennen mit den Kindern setzen mir schon etwas zu, sodass ich aufpassen muss, nicht so wie das ein oder andere Kind den Kopf auf den Tisch legen zu wollen. Die Zusammenarbeit mit Béatrice (P2) und Claude (P4) klappt bereits so gut, dass mir immer mehr Eigenverantwortung zugeschrieben wird und ich schon einige Unterrichtseinheiten übernehmen und mit den Kindern durchführen durfte. Immer wieder überrascht es mich, wie gut die Kinder mit bereits sechs Jahren Englisch sprechen. Außerdem zeigen sie viel Interesse, Lernbereitschaft und den nötigen Respekt, sodass ich mehr als zufrieden mit meiner Arbeit bin. In den Pausen unterhalte ich mich entweder mit Béatrice und Ivette oder beschäftige mich mit den Kindern. Beides ist sehr bereichernd. Durch Unterhaltungen lerne ich verschiedene Ansichten, Werte und Normen kennen und mit den Kindern erweitere ich meinen Wortschatz in Kinyarwanda. In jeder Pause entsteht eine bunte Mischung aus Spielen. Das eine Spiel bringe ich den Kindern bei, das nächste lerne ich durch sie kennen. Ob auf Englisch, Französisch, Kinyarwanda oder mit Händen und Füßen, irgendwann hat es jeder verstanden und das breite Grinsen bleibt nicht aus. Wenn ich dann gegen halb sechs zuhause bin bleibt meistens nur noch genug Kraft schnell etwas zu kochen und mit Kathrina zu quatschen und dann tot müde ins Bett zu fallen. Ausschlafen ist samstags leider auch nicht angesagt. Der Abwasch und die Wäsche erledigen sich schließlich nicht von selbst. Zuhause mit einer Wasch- und Spülmaschine ging das ganz schnell. Per Hand sieht das schon anders aus. Nach stundenlangem, kraftvollem Aufwand habe ich dann auch mal meine Bettwäsche und meine Handtücher sauber bekommen. Umso frustrierender, dass ich sie nur über einem staubigen Busch zum Trocknen aufhängen konnte und sie trotzdem für „sauber“ erklären musste .... Mein Haushalt mit Putzen und allem Drum und Dran fällt mir zum Glück leicht und geht schnell, weil ich weiß wie es geht – danke Mama! Der Samstag- und Sonntagnachmittag gehören dann ganz mir und ich kann mir die Zeit mit Solange, Jonas, Kathrina oder den anderen Freiwilligen nach Lust und Laune vertreiben.

 

Was bereits super war: Die drei Tage in Kigali waren Hammer! Eigentlich waren wir wegen unseres Visums dort. Glück für uns also, dass das schnell und problemlos geklappt hat und wir dann genügend Zeit hatten, uns die Hauptstadt anzugucken. Wir wussten nicht so recht wo wir nun anfangen sollten. Umso besser, dass Eunike (eine ehemalige Freiwillige) in Ruanda war und uns in Kigali angetroffen hat. Wie auch in Deutschland bietet diese Stadt das typische Entertainment. Zu bemerken ist allerdings der völlig andere Charme den diese Stadt mit sich bringt. Schwer zu beschreiben, aber allein der Ausblick wenn man mit einem Mototaxi die Mainstreet entlangfährt ist atemberaubend. In den drei Tagen konnten wir also auf unsere Art schon einmal die Stadt erkunden, bevor es am 24.09 wieder nach Kigali zur Bundestags-Wahlparty der Deutschen Botschaft geht.

Jedes Mal genieße ich die Zeit, die ich mit Solange verbringen kann. Da Jonas oft auch am Wochenende arbeitet, lädt mich Solange gerne zu sich nach Hause ein. Wir verstehen uns super und könnten uns die ganze Zeit alles Mögliche erzählen. Nebenbei spiele ich gerne mit ihren kleinen Söhnen und wir kochen zusammen. Bei ihr zu Hause habe ich die Möglichkeit zu einhundert Prozent in die Kultur und den Alltag hier vor Ort einzutauchen. Ich freue mich schon darauf, Euch nach langer Übung einige Rezepte von ihr zu servieren.

 

Was noch schwierig ist: Wie in den Vorbereitungsseminaren angesprochen, gelangt man als Hellhäutige schnell in den Mittelpunkt. In dem kleinen Ort Shyogwe leben genau zwei „Umuzungus“ (Weiße): Kathrina und ich. Ich bin hier zum Glück nicht die erste Freiwillige. Ätzend kann es ohne einheimische Begleitung in Muhanga auf dem Markt werden. Zum Glück kenne ich bereits die Preise und bin inzwischen geübt im Verhandeln, so dass ich manchmal nicht abgezogen werde. Ich kann auch gut unnötige Sachen abwehren. Ein kurzes „Oya“ (Nein) und ich muss kein weiteres Kilo Tomaten kaufen. Die Frage nach einem Ehemann bleibt fast nie aus. Ob ich sage „ich habe keinen Ehemann und will auch keinen haben“, oder „mein Ehemann lebt in Deutschland“ - beides scheint kein Grund zu sein, nicht doch zweimal und noch einmal nachzufragen. Aber auch hierbei genügt ein deutliches „Oya“ oder „Arrete ca“ und dann ist Schluss. Allerdings wird man dann mit großen Augen angestarrt. Hier gilt es als unhöflich oder respektlos (ich bin mir nicht ganz sicher), vor allem Älteren gegenüber klar zu sagen was man denkt. Meistens wird durch die Blume gesprochen. Aber in diesem Fall verzichte ich auf meine Anpassungsstrategie und mache auf „genervten Umuzungu“.

 

Das war jetzt ein Einblick in nur wenige Erlebnisse aus den letzten beiden Wochen.

 

Wenn ihr Fragen habt meldet Euch gerne. (feline.agne@web.de).

 

Ansonsten schön, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt und bis bald! Muraho!

 

 

 

 

    

 

 

Hallo, oder auch Mwiriwe!

Autor: feli | Datum: 02 September 2017, 16:15 | 1 Kommentare

Erstaunt stelle ich gerade fest, dass ich bereits eine Woche in Shyogwe verbracht habe und ich somit den heutigen Samstag Vormittag nutzen werde um euch auf den neusten Stand zu bringen.

 

Die ersten Tage

Auch, wenn mir der Abschied von meinen Freunden und meiner Familie alles andere als leicht fiel, konnte ich es kaum erwarten, meine langersehnte Reise anzutreten. Mit Chantal, Laura und Renke war zum Glück für genug Gesellschaft und Entertainment gesorgt, als das mir die knapp 18 stündige Anreise in Kigali (LEIDER) nur sehr kurz vor kam. Am Flughafen mussten sich dann unsere Wege bereits trennen. Zwar wusste ich, dass Renke noch eine Nacht bei mir im Ort verbringen würde, bevor er seine Reise nach Kigeme weiter antreten würde, trotzdem wurde mir etwas mulmig bei dem Gedanken, bald völlig alleine unter Unbekannten zu sein.

Als wir allerdings mit unseren Koffern den Flughafen verließen wurden wir so herzlich in Empfang genommen, dass zunächst jede Unsicherheit verflogen ist. Ich habe mich sehr gefreut Jonas, meinen Mentor kennenzulernen und darüber, dass sogar Francois, Mars und Penina (ehemalige Süd-Nord- Freiwillige) am Flughafen erschienen sind um uns zu begrüßen.

Am Abend, gegen 11 Uhr (es gibt übrigens keine Zeitverschiebung während der deutschen Sommerzeit), sind wir dann in Cyakabiri angekommen, wurden mit einem Abendessen versorgt und ich bin direkt in mein Bett versunken.

Nachdem ich Renke am nächsten Morgen verabschiedet hatte, holte mich Jonas am Gästehaus ab und es ging in die Kirche. Hätte ich gewusst, dass ich von neun Uhr bis ein Uhr dort sitzen würde, hätte ich wahrscheinlich mehr gefrühstückt. Langeweile oder Müdigkeit hatten allerdings keine Chance. Die Lieder wurden nicht nur lauthals mitgesungen, sondern von Bässen aus Verstärkern und einem Schlagzeug begleitet. Für mich noch etwas ungewohnt.

Auf einem Motortaxi zeigte mir Jonas die Gegend und wir verbrachten den Nachmittag in Muhanga, der nächstgrößten Stadt.

Am nächsten Tag ging es dann für mich in meine Wohnung. Bisher lief alles problemlos. Probleme bereitete dann mein 30 Kilogramm schwerer Koffer. Ich hatte keine Vorstellung wie ich ihn über einen hügeligen Schotterweg transportieren sollte. Doch schneller als ich gucken konnte, wurde er mir bis vor die Tür getragen. Ein nettes Lächeln und ein „Muracose“ (Danke) haben genügt und schon war ich also „zu Hause“ angekommen. Kurz darauf traf ich meine Nachbarin Kathrina an (eine deutsche Frau von Brot für die Welt) und wir verbrachten den Abend auf ihrer Terasse. Generell laufe ich ihr oft über den Weg und sie hat immer Zeit zum quatschen.

Schon schnell merkte ich, dass ich mich nicht alleine fühlen brauche, da ich direkt am nächsten Morgen zum Frühstück einer anderen Nachbarin eingeladen wurde. Alphonsine servierte mir typische Kochbananen und verschiedenste Früchte. Auch wenn die Sprachbarriere zu kleinen Schwierigkeiten führt (ich muss bei ihr mein Französisch aufarbeiten), habe ich viel Spaß mit ihrer Anwesenheit beim Kochen oder auf dem Markt.

Ich bin mehr als glücklich, Jonas` Familie als Mentor Familie zu haben. Er, seine Frau Solange und ihre Kinder Mika (2 Jahre) und Nathan (6 Monate) helfen mir sehr mich hier wohlzufühlen. Ich probiere durch sie nicht nur die traditionellen Gerichte, sondern bekomme auch beigebracht mit meiner Küche umzugehen, was ich bitter nötig hatte. Sie begleiten mich bei allen Besorgungen und wenn wir es mal nicht schaffen uns anzutreffen, gibt es mindestens ein Telefonat pro Tag.

 

Da Jonas der Headteacher der Primary School ist, beschloss ich ebenso meine Arbeit an der Schule zu beginnen. Zwar meinte er, ich solle mir die erste Woche zum ausruhen und ankommen lassen, allerdings lässt mich der Hahn vor meiner Wohnung nur bis 6:15 Uhr schlafen...

Ich stellte mich jedem Lehrer, dem Direktor und der Nurse vor. Meinem ersten Eindruck und den ersten Gesprächen zu Folge kann ich mir gut vorstellen mich in dieses Team einzuarbeiten. Zwei Tage habe ich bei Béatrice in der Primary 2 (P2) verbracht, da ich sehr gut mit ihr auskomme und sie mir ebenso jegliche Unterstützung in der Schule und auch außerhalb bietet. Nicht nur der Unterricht sondern auch das Spielen mit den Kindern macht mir viel Spaß, wodurch ich die Pause auch mal aus Versehen um 20 Minuten überzogen habe... Das ist hier allerdings kein großes Problem.

 

Insgesamt verbringe ich noch viel Zeit damit mir meine Wohnung einzurichten und mich in meinem unmittelbaren Umfeld einzuleben. Dazu gehören meine täglichen kleinen Einkäufe um die Ecke bei der Verkäuferin Funny, die mir Hilft mein Kinyarwanda zu verbessern, als auch mein tägliches Arbeiten an den einfachsten Haushaltsaufgaben die mir hier um einiges schwerer fallen.

 

So viel also zu meinen Eindrücken und Erfahrungen aus der ersten Woche. Richtig los geht es dann nächste Woche wenn wir 4 unser Visum in Kigali haben und ich gänzlich anfange zu arbeiten.

Ich freue mich immer auch etwas von euch zu hören.

 

Bis dahin! Murabeho!