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Wann ich das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht habe…

Autor: feli | Datum: 15 November 2017, 16:21 | 1 Kommentare

Nachdem ich nun fast drei Monate hier bin, gab es einige Situationen, denen ich so noch nie begegnet bin.

Es fing schon mit Kleinigkeiten an, zum Beispiel mit dem Essen. Frühstücksprodukte wie Brot, Milch, Eier etc. sind hier vergleichsweise teuer. Stattdessen wird schon morgens herzhaft gegessen. Überrascht war ich trotzdem, als Solange mir um 8 Uhr morgens einen Teller mit Kassavabread (Mehl aus einer Wurzel mit Wasser verquollen, Issombe (eine grüne Pflanze zu einer Art Soße verkocht) und Fleisch hinstellte. Geschmeckt hat es aber super! Schwer getan habe ich mich allerdings mit der Herausforderung, meine Flöhe zu beseitigen.

 

Das erste, und hoffentlich letzte Mal: Flöhe!

Nachdem ich mir sicher war, dass es tatsächlich welche waren und mir klar wurde, was für ein Haufen Arbeit auf mich warten würde, habe ich mich schnell um Hilfe gekümmert. Es war zum Glück kein Problem, den Freitag in der Schule zu schwänzen. Ein Anruf bei Neele, einer Freiwilligen auf der anderen Seite von Muhanga, und schon stand sie vor meiner Tür. Nachdem wir die Bügeleisen und Wasserkocher von Solange ausgeliehen hatten, konnte es losgehen. Jedes einzelne Stoffstück musste mit kochendem Wasser gewaschen und anschließend gebügelt werden. Aber erst einmal angefangen, wurde aus unserer Nacht- und Nebelaktion ein großer Spaß. Während der Regenzeit ist es eher suboptimal, die Klamotten draußen aufzuhängen. Also verwandelten wir meine kleine Wohnung innerhalb weniger Stunden in ein Wäscheparadies. Insgesamt haben wir die Nacht von Donnerstag auf Freitag, den Freitagmorgen und den Sonntagnachmittag gebraucht, um alles zu waschen und zu trocknen.

Die Anstrengung saß mir noch drei Tage später in den Knochen, aber wir waren glücklicherweise erfolgreich!

 

Das erste Mal mit dem Chor in der Kirche singen.

 

Ich nehme schon seit eineinhalb Monaten, zweimal wöchentlich an den Chorproben unserer Gemeinde teil. In der Kirche hatte ich allerdings noch nicht mitgesungen, da ich zunächst die Lieder mehr oder weniger beherrschen wollte. Auch wenn ich versuchte, mir die Wörter korrekt zu merken, wurde daraus eher ein Singen nach Gefühl. Also Kinyarwanda ist das bestimmt nicht, was ich so singe. Letzte Woche war es dann soweit, dass ich mich mit meiner Choruniform zu den Chormitgliedern gesetzt habe. Angekündigt waren nämlich zwei bestimmte Lieder, die ich soweit ganz gut konnte - dachte ich. Nette Überraschung, als dann eine fremde Melodie angespielt wurde und ich weder Text, noch Schrittfolge erkannte. Bloß nichts anmerken lassen! Mund bewegen, mitlaufen. Nach dem Gottesdienst waren alle ganz begeistert von mir.

 

Sich das erste Mal an einem ruandischen Buffet bedienen

Es dürfte eigentlich keine Herausforderung sein sich an einem Buffet zu bedienen, richtig? Hier gilt die Regel: einmal zahlen, einmal gehen. Ich gehe also an dem Buffet entlang und bediene mich nur mit Probierportionen. Als ich dann erneut gehe, um satt zu werden, habe ich mir einige dumme Blicke eingefangen. Ups. Nun weiß ich, dass ich mir beim ersten und einzigen Gang alles auf den Teller schaufeln muss.

 

Die erste Hochzeit

Eine Hochzeit findet in der Regel in drei Abschnitten statt. Es gibt das dowery-giving, die Trauung in der Kirche und einen Empfang in einer Halle. Das alles an einem Tag. Ich hatte schon von Hochzeiten gehört und mich umso mehr gefreut, als Funny (richtiger Name Francoise) mir eine Einladung für ihre Hochzeit gab. Gespannt und auch etwas aufgeregt bin ich am 4. November um 4:40 aufgestanden um pünktlich um 5:30 am Busstop zu sein. Zum dowery- giving ging es nämlich zu der 2 Stunden entfernt gelegenden Stadt, Butare. Es ist Tradition, am Geburtsort der Braut oder des Bräutigams das dowery-giving zu veranstalten.

Zwei Zeltreihen waren so aufgestellt, dass sie einen Gang zu einem Pavillion bildeten. In der einen Zeltreihe versammelten sich die Gäste und die Familie des Mannes, in der gegenüberliegenden die, der Frau. Alles war hübsch geschmückt und die Frauen waren fast alle in traditionellen Gewändern gekleidet. Faszinierend. Zunächst wurde eine Diskussion über die Trauung des Brautpaares, von den beiden Vätern geschauspielert. Inhalt war zusammengefasst der Wert der Frau und das Benehmen des Mannes. Nachdem sich beide einig waren und der Trauung zustimmten, wurde mit Cola angestoßen. Während der Bräutigam in Begleitung von vier Trauzeugen vor den Pavillion geführt wurde, stellte sich eine Reihe von Frauen mit vielen Geschenken auf. Jetzt machte die Familie des Mannes der Familie der Frau Geschenke von hohem Wert, als Tausch fürdie Frau. Als nächstes wurde die Braut von ihrem Bruder in den Gang geführt. Sie begrüßte zunächst die Familien und dann ihren zukünftigen Mann. Gemeinsam bereicherten sie Funny´s Familie mit Geschenken und setzen sich dann auf ihre Stühle.

Früher wurden noch Kühe verschenkt, da sie den sozialen Stand einer Familie veranschaulichten. Viele Kühe, großer Reichtum. Auch wenn das heute nicht mehr der Fall ist, wurde eine Kuh von drei „Hirten“ herangeführt.

Symbolisch wurde in einer Art Singsang mit Tanz für die Kuh gebetet. Ich habe zwar den genauen Inhalt nicht ganz verstanden, aber alleine die Vorführung war so witzig, dass ich mir das Lachen ganz schön verkneifen musste. Anschließend hat die Familie der Frau der Familie des Mannes zwei traditionelle Milchkrüge überreicht. Auch dieses Geschenk ist symbolisch zu verstehen. Und zwar wurde ausschließlich die frisch gemolkene Milch in diesen Krügen aufbewahrt. Damit verspricht die Familie die Jungfräulichkeit ihrer Tochter. Nach dem Essen war der Teil des dowery- givings beendet. Gegen drei Uhr fand die Trauung in der Kirche statt. Ich habe den Einzug des Brautpaares leider verpasst, weil ich meine Choruniform anziehen musste. Der Gottesdienst war weitreichend ähnlich zu unserem. Ehegelöbnis,Tausch der Ringe, etc. Anmerken möchte ich noch, dass sich das Brautpaar umarmt, anstatt sich zu küssen. Denn selbst auf einer Hochzeit ist es nicht in Ordnung, Liebesbeweise dieser Art in der Öffentlichkeit auszutauschen.

Beim Empfang wurden die Familien erneut getrennt gesetzt. Noch einmal wurde die Braut an die Hand genommen und an den Tisch der Familie des Mannes geführt. Damit ist ein für allemal bezeugt, dass ihr Leben nun in den Händen des Mannes liegt und sie zu seiner Familie gehört.

Als auch ich am Ende des Abends mein Geschenk überreichen wollte, drückte mir plötzlich jemand ein Mikrofon in die Hand. Auf die Schnelle habe ich zum Glück ein paar nette Worte gefunden. Gemeinsam wurde die Torte gegessen und ein Softgetränk verputzt, bevor es dann für alle nach Hause ging.

Insgesamt ein sehr interessantes Erlebnis. Die ganze Hochzeit über hatte ich meistens Solange an meiner Seite, die mir alles übersetzte. Es hat mir gut gefallen, aber es war auch sehr, sehr anstrengend.

 

Sehr gerne würde ich euch auch meinen Alltag beschreiben. Doch kaum ein Tag ist wie der andere. Einen Wochenüberblick gibt es erst nach den Ferien. Bis dahin halte ich euch - so gut es geht - mit einzelnen Highlights auf dem Laufenden.

 

Ich danke euch für euer Interesse. Meldet euch gerne bei mir!

    

 

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Kommentare

  1. 1. sulin  |  19 April 2018, 08:12

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